Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Darmspiegelung als die zuverlässigste Methode zur Krebsfrüherkennung gilt? Rund 55.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Darmkrebs, dabei könnte die Vorsorge viele dieser Fälle verhindern. Die Koloskopie ist ein faszinierendes medizinisches Verfahren, das weit mehr kann, als nur den Darm zu betrachten. Hier sind 30 Fakten, die Ihnen helfen, die Untersuchung besser zu verstehen und Ihre Angst davor zu verlieren.
Die Darmspiegelung ist der Goldstandard der Darmkrebsvorsorge. Sie dauert etwa 20 bis 30 Minuten und wird in Deutschland meist unter einer Kurznarkose durchgeführt. Alle gesetzlich Versicherten haben ab 50 Anspruch auf zwei Vorsorge-Koloskopien im Abstand von zehn Jahren. Die Vorbereitung durch Abführen ist der unangenehmste Teil. Moderne Geräte können Polypen während der Untersuchung direkt entfernen.
Was die Darmspiegelung wirklich ist
- Der Begriff Koloskopie setzt sich aus den griechischen Wörtern „kolon“ (Grimmdarm) und „skopein“ (betrachten) zusammen. Es handelt sich also wörtlich um eine Betrachtung des Dickdarms.
- Die erste erfolgreiche Darmspiegelung am lebenden Menschen wurde 1969 von den amerikanischen Ärzten William I. Wolff und Hiromi Shinya in New York durchgeführt. Vorher waren nur starre Rohre mit begrenzter Reichweite verfügbar.
- Das Endoskop, das bei der Untersuchung zum Einsatz kommt, ist etwa 160 bis 180 Zentimeter lang. Es ist flexibel und wird über den After in den Darm eingeführt.
- Am vorderen Ende des Koloskops sitzt eine hochauflösende Kamera mit einer Lichtquelle. Die Bilder werden live auf einen Monitor übertragen und können vergrößert werden.
- In Deutschland sterben laut Robert Koch-Institut jährlich etwa 24.000 Menschen an Darmkrebs. Die Koloskopie könnte diese Zahl drastisch senken, da sie Krebsvorstufen direkt entfernt.
Wie die Vorbereitung auf die Untersuchung abläuft
- Die Vorbereitung beginnt in der Regel zwei bis drei Tage vor dem Termin. Sie müssen auf ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornbrot, Nüsse, Obst und Gemüse verzichten.
- Einen Tag vor der Untersuchung ist nur noch klare Flüssigkeit erlaubt. Dazu zählen klare Brühe, schwarzer Kaffee ohne Milch und Wasser. Rote oder blaue Getränke sind tabu, weil sie die Darmschleimhaut verfärben.
- Am Abend vor und am Morgen des Eingriffs müssen Sie ein Abführmittel trinken. Die gängigsten Präparate in Deutschland sind Moviprep oder Pegorion, die Sie in mehreren Litern Wasser auflösen müssen.
- Das Ziel der Darmreinigung ist ein völlig leerer Darm. Der Stuhlgang wird am Ende wasserklar sein müssen, damit der Arzt jede Stelle der Schleimhaut beurteilen kann.
- Bei unzureichender Reinigung muss die Untersuchung wiederholt werden. Das kommt in etwa 10 bis 15 Prozent der Fälle vor. Eine gründliche Vorbereitung ist daher entscheidend.
Der Ablauf während der Spiegelung
- Die eigentliche Darmspiegelung dauert zwischen 20 und 30 Minuten. Die reine Untersuchungszeit liegt oft unter 20 Minuten, wenn keine Polypen entfernt werden müssen.
- Die meisten Patienten in Deutschland erhalten eine sogenannte Sedierung, eine leichte Narkose. Dadurch spüren Sie nichts von der Untersuchung und schlafen meist ein.
- Während der Spiegelung wird der Darm mit Luft oder Kohlendioxid gefüllt. Kohlendioxid wird heute bevorzugt, weil es schneller vom Körper aufgenommen wird und weniger Blähungen verursacht.
- Der Arzt führt das Koloskop vorsichtig bis zum Übergang zum Dünndarm vor. Diese Stelle, die Bauhin-Klappe, liegt im rechten Unterbauch und ist der natürliche Endpunkt der Untersuchung.
- Beim langsamen Rückzug des Geräts wird die Darmschleimhaut zentimeterweise begutachtet. Dieser Rückzug ist der wichtigste Teil der Untersuchung und dauert die meiste Zeit.
Was bei der Untersuchung entdeckt werden kann
- Rund 30 Prozent der Menschen über 50 Jahren haben Polypen im Darm. Die meisten davon sind gutartig, aber einige können sich zu Darmkrebs entwickeln.
- Es gibt verschiedene Polypen-Typen. Die gefährlichsten sind die adenomatösen Polypen, aus denen innerhalb von 5 bis 10 Jahren Krebs entstehen kann.
- Das Endoskop hat einen Arbeitskanal, durch den Instrumente eingeführt werden können. Polypen werden mit einer Drahtschlinge abgetragen und zur feingeweblichen Untersuchung ins Labor geschickt.
- Die meisten Polypen sind harmlos und werden als hyperplastische Polypen eingestuft. Nur ein kleiner Teil ist tatsächlich bösartig oder entartungsgefährdet.
- Neben Krebsvorstufen können auch Divertikel gefunden werden. Das sind Ausstülpungen der Darmwand, die in Deutschland bei etwa 30 Prozent der über 60-Jährigen vorkommen.
Die Rolle der Darmspiegelung in der Krebsvorsorge
- In Deutschland haben Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren Anspruch auf eine Vorsorge-Koloskopie. Für Männer wurde das Alter 2019 von 55 auf 50 herabgesetzt, weil sie häufiger und früher erkranken.
- Werden bei der ersten Spiegelung keine Polypen gefunden, wiederholt sich die Untersuchung nach 10 Jahren. Bei auffälligen Befunden können kürzere Intervalle nötig sein.
- Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für zwei Vorsorge-Koloskopien im Leben. Die zweite Spiegelung kann 10 Jahre nach der ersten erfolgen.
- Die Teilnahmerate an der Darmkrebsvorsorge in Deutschland liegt bei etwa 20 Prozent. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das relativ niedrig. In England liegt die Rate bei über 60 Prozent.
| Vorsorge-Alter | Geschlecht | Art der Vorsorge |
|---|---|---|
| Ab 50 Jahren | Männer | Zwei Koloskopien im Abstand von 10 Jahren |
| Ab 55 Jahren | Frauen | Zwei Koloskopien im Abstand von 10 Jahren |
| Alternativ ab 50 | Beide | Jährlicher immunologischer Stuhltest (iFOBT) |
- Der immunologische Stuhltest sucht nach verborgenem Blut im Stuhl. Er ist eine Alternative zur Darmspiegelung, aber weniger genau. Er erkennt nur etwa 70 Prozent der fortgeschrittenen Polypen.
- Studien zeigen, dass eine regelmäßige Teilnahme an der Vorsorge-Koloskopie das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um bis zu 70 Prozent senken kann.
Risiken und Mythen rund um die Untersuchung
- Die Darmspiegelung ist ein sehr sicherer Eingriff. Das Risiko einer Darmdurchbohrung (Perforation) liegt bei etwa 1 zu 1.000. Bei rein diagnostischen Spiegelungen ohne Polypenentfernung ist es noch geringer.
- Viele Patienten fürchten Schmerzen während der Untersuchung. Dank der Sedierung ist die Darmspiegelung für die allermeisten Patienten völlig schmerzfrei. Sie wachen auf, ohne etwas von der Untersuchung mitbekommen zu haben.
- Nach der Untersuchung können leichte Blähungen oder ein Völlegefühl auftreten. Das ist normal und klingt innerhalb weniger Stunden von selbst ab, besonders wenn Kohlendioxid verwendet wurde.
- Ein häufiges Missverständnis ist, dass eine Darmspiegelung den Darm schwächt. Das Gegenteil ist der Fall: Sie ist ein reines Diagnoseverfahren und hat keinerlei negative Langzeitfolgen für die Darmfunktion.
„Die Darmspiegelung ist die einzige Untersuchung, die nicht nur Krebs früh erkennt, sondern ihn sogar verhindern kann, indem sie die Vorstufen direkt entfernt.“ (Prof. Dr. med. Thomas Rösch, Gastroenterologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)
Warum Sie den Termin jetzt machen sollten
Die Darmspiegelung ist eine der effektivsten medizinischen Vorsorgemaßnahmen, die es gibt. Sie kann Ihnen buchstäblich das Leben retten, indem sie Krebsvorstufen entfernt, bevor sie gefährlich werden. Die Vorbereitung ist zwar etwas lästig, aber die Untersuchung selbst ist kurz, schmerzfrei und sicher. Wenn Sie über 50 sind oder Darmkrebs in Ihrer Familie vorkam, zögern Sie nicht. Rufen Sie Ihren Hausarzt an und lassen Sie sich eine Überweisung ausstellen. Ihr zukünftiges Ich wird es Ihnen danken.
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